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Ist der Checkmaster ein Hyperkalkulator?
Eine Gedankenreise – von München über Carl Cutter nach Deluge

Mit dem Checkmaster hat Ren Dhark-Schöpfer Kurt Brand ein phänomenales Superhirn geschaffen, einen in der Geschichte der Science Fiction einzigartigen Bordrechner mit biologischen Komponenten, phänomenalen Fähigkeiten und einem fast schon menschlich zu nennenden Hang zur Eigenständigkeit. Die Frage, ob die Besatzung der Point of den Checkmaster befehligt oder der Checkmaster die Point of, würde er selbst so beantworten: „Ich bin die Point of!“ Aber was ist er wirklich? „Jedenfalls kein Hyperkalkulator!“ ist sich ein treuer Leser aus München sicher und beschwert sich im Ren Dhark-Forum, es gäbe frevelnde Autoren im Team, die von „Eingaben in den Hyperkalkulator“ sprechen beziehungsweise schreiben, statt von „Eingaben in den Checkmaster“, wie es sich gehört.
Doch ist das wirklich falsch? Da eine Rechnergattung mit der Bezeichnung >Checkmaster< überhaupt nicht existiert, liegt der Schluß nahe, daß der Checkmaster nichts weiter als ein Hochleistungsrechner ist – und die werden im Ren Dhark-Universum nun einmal >Hyperkalkulatoren< genannt. Im Ren Dhark-Lexikon, dem Totem eines jeden wahren Ren Dhark-Fans, steht zweifelsfrei geschrieben:
Checkmaster – Hyperkalkulator, Bordgehirn der Point of.  
Doch was ein waschechter Münchner ist, der läßt sich von so etwas nicht beeindrucken. „Ja und? Dann wurde bei der Erstellung des Lexikons eben schlampig gearbeitet“, kommt es zurück, und: Das Innenleben des Checkmasters sei schließlich über die ganze Point of verstreut, inklusive der Zellen von Margun und Sola sowie Ren Dhark, demzufolge müsse er der Prototyp einer gänzlich neuen Art sein.
Und was sagen andere Leser dazu? Der Checkmaster ist einmalig – in diesem Punkt sind sich alle einig. Aber gänzlich neu? „Er ist ein Hyperkalkulator mit biologischer Komponente, hoher Leistungsfähigkeit und einer gewissen Kreativität“, läßt ein Diskussionsteilnehmer verlauten und bezieht sich dabei auf reale Verhältnisse: „Jeder Computer ist im Endeffekt nicht mehr als ein Hochleistungstaschenrechner.“ Ein weiterer Leser bringt, bezogen auf die biologische Komponente des Checkmasters, den Begriff >Neuromorphing< ins Spiel, der wohl nur in immens geheimen Lexika zu finden ist, welche dem ungebildeten Schreiber dieser Zeilen nicht zugänglich gemacht werden. Der worterfindungsreiche Leser schlägt vor, den umstrittenen Rechner statt Hyperkalkulator lieber >Hyperneuronikkalkulator< zu nennen, wobei sich >Neuronik< an >Bionik< anlehnt, als Bezeichnung für neuronale Technik. Kurz darauf folgt ein ähnlicher Vorschlag: „Hyperneuronalkalkulator.“ Die Wissenschaft ist halt ein buntes Sammelbecken voller phantastischer Neuwortschöpfungen.
Apropos Wissenschaftler: Wie äußern sich denn nun die Erbauer der Point of beziehungsweise der Masol, wie sie früher hieß, zu diesem Thema? Um das herauszufinden, muß man in den Ren Dhark-Büchern etwas zurückblättern...
Grundsätzlich nennen die Worgun alle ihre Superrechner >Hyperkalkulatoren<, ein irdischer Begriff, übersetzt durch terranische Translatoren. Die beiden Worgun-Wissenschaftler Margun und Sola haben einst – laut ihren eigenen, im Drakhon-Zyklus verewigten Angaben – ein völlig neues Rechnermodell kreiert, das jeden bisherigen Hyperkalkulator (!) übertrifft. Die Rede ist von einem neukonstruierten Hyperkalkulator (!) sowie vom Hyperkalkulator (!) der Masol. Somit wird gleich dreimal die These untermauert, daß der PO-Bordrechner ein Hyperkalkulator ist, einer, der den Namen >Checkmaster< trägt!
Aber wieso gibt jemand einem Gerät überhaupt einen Namen? Die Forumsdiskussion zeigt, daß so etwas im realen Leben keine Seltenheit ist. Manche Leute nennen ihre Computer Compi, Schleppi oder Gurke. Oder Carl Cutter. Letzteres beruht allerdings auf einem Irrtum, wie uns der betreffende Leser (übrigens ebenfalls ein Münchner) wissen ließ: „Den Namen hatte meine Schwester in den >Sternentagebüchern< von Stanislaw Lem gefunden. War aber ein Versehen, denn dort stand in Wirklichkeit: der große Calculator.“ Aha!
Prompt wird die nächste Frage aufgeworfen: „Warum gerade Checkmaster? Weil er alles so schnell checkt?“ Tja, warum eigentlich? Vielleicht weil es sich so ähnlich anhört wie >Chessmaster<? Wäre irgendwie passend, immerhin versteht sich der Checkmaster geradezu meisterhaft darauf, bei Weltraumschlachten Kriegsstrategien wie auf dem Schachbrett zu entwickeln. Wer hat jenen Namen eigentlich ersonnen? Margun und Sola? Oder hat sich der Bordrechner selbst so genannt? – Ehrfürchtig wischen wir den Staub von Band 3 des Ren Dhark-Classic-Zyklus, schlagen ihn auf und lesen:
Man war sich einig geworden, den unbekannten Rechner hinter den Wandverkleidungen der Zentrale Checkmaster zu nennen. Die Mentcaps hatten darüber teilweise Auskunft gegeben. Man wußte aber nicht, wie dieser Checkmaster arbeitete.
Teilweise Auskunft? Mal ehrlich, wirklich schlau wird man daraus nicht. Wie sieht denn eine teilweise Auskunft zu einem Namen aus? Chckmastr? Was soll das sein – ein Rätselspiel in Worgun-Sprache? „Gib mir ein E!“ Am wahrscheinlichsten ist, daß sich der zweite Satz des Zitats gar nicht auf den Namen, sondern ausschließlich auf die Arbeitsweise des Checkmasters bezieht, über die man kurz nach der Entdeckung der Point of zwar einigermaßen Bescheid wußte, aber eben nur teilweise.
Ohnehin hört sich >Checkmaster< nicht nach dem worgunschen Wortschatz an, dieser Begriff ist wohl eher auf menschlichem Mist gewachsen. Vermutlich wurde er so willkürlich ausgewählt wie hierzulande der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit. „Ey, Leute, was haltet ihr von >Checkmaster<?“ – „Herrlich, das paßt zu nix! Nehmen wir!“ Ach ja, ließen sich doch nur alle Probleme so schnell lösen, so total ohne Sinn und Verstand.
Letzterer wurde von den Diskussionsteilnehmern noch eine Weile arg strapaziert, denn nachdem das Namensthema ausgereizt war, widmete man sich dem Aussehen des Bordrechners. Kurt Brand, der die Maßstäbe für die Serie Ren Dhark setzte, schwebte noch das gute alte Schaltpult vor, mit einer großen breiten Schaltwand, hinter der sich der Checkmaster in alle Richtungen hin erstreckt, so daß er mit jedem Arbeitsplatz in der Zentrale verbunden ist. Auch in den heutigen Büchern gibt es sie noch, die blinkenden bunten Lämpchen, die wild hin und her pendelnden Zeiger und die digitalen Anzeigen, dirigiert über die Gedankensteuerung sowie über Meßfühler für die manuelle Eingabe. „Gibt es auch Kippschalter und Hebel?“ fragt der eingangs erwähnte Münchner mit unverkennbar boshafter Ironie. Ein anderer Diskussionsteilnehmer zeigt weitaus mehr Verständnis für den Flair von einst und spricht von einer „nostalgischen 60er-Jahre-Reminiszenz, über die ich ohne Ärger hinwegsehe“. Ein weiterer Leser meint hingegen, man würde dort in Wirklichkeit „kaum mehr als die Benutzerschnittstellen“ sehen. Vermißt werden zudem berührungssensitive Bildschirme und Mäuse. (An dieser Stelle verkneife ich mir tapfer jeden Kalauer über durchgeknabberte Kabel oder Fallen mit Speck und Käse. U.H.G.)
Den Schlußstrich unter die Diskussion zieht die Abbildung eines realen DataCenters – fein säuberlich aufgereihte große quaderförmige Rechnereinheiten in einem fast leeren Raum, ein Bild, das auf bedrückende, unheimliche Weise stumm, leblos und steril wirkt. Wenn man bedenkt, daß heutzutage von solchen tatsächlichen Plätzen aus die Geschicke der Welt gelenkt werden, sehnt man sich regelrecht nach dem fiktiven Industriedom auf Deluge, mit seinen Scharen von Wartungsrobotern und den riesigen lärmenden Maschinen, gedämpft durch massive Schallschutzmaßnahmen, verbunden mit zahllosen Rohren und Kabeln... und ganz sicher mit einem knallroten Notfallschalter zum Draufhauen, der mit einem Schlag alles zum Stillstand bringt und den lärmenden Giganten zeigt, wer jetzt hier der Herr im Hause ist: der Mensch!

Freude am Lesen!
U.H.G.

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