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Hajo F. Breuer
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thema Weltallreisen
Reisen in der Zukunft

von Hajo F. Breuer

Wer im Jahr 2062 auf den Planeten Eden reisen will, kann ein Raumschiff besteigen und die 56 000 Lichtjahre dorthin in wenigen Tagen oder Wochen hinter sich bringen - je nachdem, wie leistungsfähig das Raumschiff ist. Er kann aber auch richtig viel Geld lockermachen und die teure Transmitterverbindung nehmen, die ihn über mehrere Relaisstationen in nur knapp einer Stunde an dieses unendlich weit entfernte Ziel bringt. Absolut unrealistische Utopie? Das möchte ich bestreiten.
Ich lebe in Mönchengladbach, meine Eltern haben ein Haus in Düsseldorf. Sie zu besuchen, wäre noch im Mittelalter eine Tagesreise hin und eine zurück gewesen. Heute setze ich mich ins Auto und brauche je nach Verkehrslage 20 bis 40 Minuten. Für einen Menschen des Mittelalters wäre so etwas pure Utopie gewesen.
Der Dichterfürst Goethe träumte immer davon, einmal im Leben Italien zu sehen. Seine Reise nach Italien dauerte fast ein Jahr und war der unwiederholbare Höhepunkt seines Lebens. Mit dem Auto bin ich heute in zehn Stunden in Italien, mit dem Flugzeug in knapp zwei. Goethe hingegen kannte noch nicht einmal die Eisenbahn, mit der man es auch innerhalb eines Tages nach Italien schafft.
Wir wollen hier nicht darüber diskutieren, daß mit der Erhöhung des Reisetempos auch eine Abwertung des Reisens kam: Drei Wochen Rimini, Ballermann oder Florida pro Jahr sind für uns heute eigentlich nichts Besonderes mehr. Goethes Italienreise war ein verwirklichter Lebenstraum, für uns ist so etwas nur ein Urlaub unter vielen.
Aber wir wollen uns hier mit dem Aspekt der steigenden Reisegeschwindigkeiten befassen. Noch in den 50er Jahren bauten die Engländer große und schnelle Passagierschiffe für den Personenverkehr mit Australien. Die brauchten nur knapp sechs Wochen für die Strecke - unvorstellbar lang im Zeitalter moderner Düsenflugzeuge, die Europa und Australien in etwas mehr als einem Tag miteinander verbinden. Und auch das ist nur der momentane Stand: Vor wenigen Wochen testete die NASA erfolgreich die X-43A, das verkleinerte, unbemannte Testmodell eines zukünftigen Hyperschall-Flugzeuges, das zehnfache Schallgeschwindigkeit erreichen soll. Die Maschine wird nach dem Staustrahlprinzip angetrieben und erreichte beim Testflug mehr als 11.000 km/h!
Während das erste Überschallpassagierflugzeug, die Concorde, noch an seinen hohen Kosten scheiterte, wird die neue Generation von Supervögeln von Wasserstoff angetrieben und ist damit unabhängig von hohen Erdölpreisen. Und die Staustrahltriebwerke sind wesentlich wartungsärmer und billiger herzustellen als die gigantischen Strahlturbinen, die die Concorde anschoben: Im Prinzip handelt es sich nur um eine vorn und hinten offene Kammer. Vorne strömt durch den Fahrtwind Luft ein, der Wasserstoff wird zugesetzt und entzündet. Und hinten schießt der Vortrieb erzeugende Abgasstrahl heraus. Vermutlich werden die meisten Leser dieser Zeilen noch selbst erleben, wie ein solches Flugzeug die Strecke Frankfurt-Sydney in rund zwei Stunden bewältigt. Das ist keine Utopie mehr, das ist Realität.
Meine Großtante Amanda kam 1897 auf die Welt und starb 1979. Sie war sieben Jahre alt, als das erste Motorflugzeug der Gebrüder Wright den festen Boden verließ. Und als sie starb, war es schon zehn Jahre her, daß Menschen den Fuß auf den Mond gesetzt hatten. Die technische Entwicklung innerhalb dieses Menschenlebens war rasant. Vorangetrieben worden war sie vor allem durch Kriege, heiße wie kalte. Die Konkurrenz der Großmächte hatte enorme Kräfte zur Weiterentwicklung der Technik freigesetzt. Das Entwicklungstempo hat sich heute ein wenig verlangsamt, die meisten Impulse kommen jetzt aus der privaten Wirtschaft, nicht vom Militär.
Die technische Revolution der letzten Jahre manifestierte sich weniger in immer leistungsfähigeren Fortbewegungsmitteln, sondern vor allem auf dem Gebiet der Datenverarbeitung. Mittlerweile können wir in unseren Computern nicht nur enorme Wissensmengen abspeichern, sondern auch ganz nach Bedarf auf sie zugreifen. Und der Computer erleichtert die Konstruktion komplexer Maschinen ungemein. Am Airbus A 380 hätten sich früher Heerscharen von Technikern einen Wolf gezeichnet. Heute erledigen wenige Fachleute selbst komplizierteste Konstruktionsaufgaben mit Hilfe ihrer immer leistungsfähiger werdenden Rechner.
Vor diesem Hintergrund halte ich es ganz und gar nicht für ausgeschlossen, daß vielleicht sogar noch zu meinen Lebzeiten eine völlig neue Technologie entwickelt wird, die Flüge ins All auch über die Grenzen unseres Sonnensystems heraus ermöglichen wird. Und auch Transmitter wollen mir nicht wirklich mehr als unerreichbar phantastische Utopie erscheinen. Was der Mensch sich ausdenken konnte, hat er früher oder später auch in die Realität umgesetzt. Und so, wie sich das Tempo des Fortschritts immer mehr beschleunigt, wird es heute und in Zukunft stets eher früher als später sein. Vielleicht machen dereinst schon unsere Enkel Urlaub auf dem dritten Planeten der Sonne Aldebaran - oder auch auf Eden.

 
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