Ren Dhark
     

Hajo F. Breuer

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Des Autoren bester Freund
Von den Schwierigkeiten, ein Exposé zu schreiben

von Hajo F. Breuer

Vor einiger Zeit veröffentlichte mein Freund und geschätzter Kollege Uwe Helmut Grave an dieser Stelle eine Glosse über die Probleme eines Autors, nach Exposé zu schreiben. (>Des Autoren schlimmster Feind< – Von den Schwierigkeiten, ein Exposé auszuarbeiten) Deshalb will ich es keinesfalls versäumen, eine Darstellung des Themenkomplexes aus meiner Sicht als Exposéautor von Ren Dhark zu liefern.

Zuerst stellt sich natürlich die Frage: Wozu braucht man überhaupt Exposés? Schließlich schreiben für Ren Dhark nur erstklassige Autoren, denen bestimmt genug einfällt. Das ist richtig. Aber unsere Serie bietet keine Einzelabenteuer, sondern eine fortlaufende »Geschichte der Zukunft«, und da muß nun einmal einer wie die Spinne im Netz sitzen und die richtigen Fäden ziehen.

Wie problematisch es schon sein kann, wenn es die Autoren und vor allem der zuständige Redakteur mit den Exposés nicht so genau nehmen, zeigt die ursprüngliche Ren Dhark-Serie im Heftformat. Deren Redakteur las erklärtermaßen keine Exposés, »um sich nicht die Spannung zu verderben«, und so kam es zu jeder Menge Ungereimtheiten in den Heften bis hin zu doppelten Todesfällen von Personen der Handlung, die gleich von zwei Autoren »umgebracht« wurden.

Das ist bei der Ren Dhark-Buchausgabe ausgeschlossen, da Exposéautor und Buchbearbeiter ein und dieselbe Person sind. Meine Autoren wissen, daß ich sofort entdecke, wenn jemand sich nicht an sein Exposé gehalten hat, und kommen daher erst gar nicht auf dumme Gedanken. Darüber hinaus weiß jeder, der an Ren Dhark mitarbeitet, daß ich bei eventuellen Fragen und Problemen praktisch sieben Tage in der Woche zur Verfügung stehe. Besser einmal zuviel fragen, als sich mit einem kompletten Roman verrennen.

Als ich Ende 1999 die ersten Exposés für den Drakhon-Zyklus verfaßte, bin ich allerdings noch ein bißchen blauäugig an die Sache herangegangen. Meine ersten Dhark-Expos hatten etwa nur ein Viertel des Umfangs, den ich heute verfasse, um allen Mißverständnissen vorzubeugen. Denn ich mußte leider die Erfahrung machen, daß nicht immer alle so am gleichen Strang zogen, wie ich es für ganz normal hielt und wie wir es in unserer ersten Autorenkonferenz auch besprochen hatten. Da wurden plötzlich Kleinigkeiten in die Romane eingebaut, die nicht zu dem von allen gebilligten Konzept paßten. So wurde mir etwa ein Ei ins Nest gelegt, nach dem Tabakrauch für Tel lebensgefährlich sei – und das, obwohl wir gemeinsam beschlossen hatten, uns nicht allzu »politisch korrekt« zu geben und nicht so genußfeindlich zu sein, wie eine kleine, aber lautstarke Minderheit es uns heute gerne vorschreiben möchte. Ich habe die Stelle beim Redigieren schlicht und ergreifend überlesen, sonst hätte ich sie gestrichen. Mein Fehler.

Prompt ließ ein anderer Autor die Tel in einem aktuellen Buch rauchen – was dann von interessierter Seite mit Hinweis auf eben jene eine Textzeile in dem alten Buch moniert wurde. Nun ist es meine Aufgabe, den Schnitzer so auszubügeln, daß die Serie wieder stimmig ist – ob mir das gelingt, können Sie in Weg ins Weltall Nr. 5 selbst nachprüfen.

Ein halbwegs vernünftiger Exposéautor wird immer versuchen, jedes Expo genau auf den Autor zuzuschneidern, der es bearbeiten soll. Es gibt einfach Themenbereiche, die liegen dem einen besser als dem anderen. So ist beispielsweise Conrad Shepherd meine erste Wahl, wenn es um Abenteuer von Roy Vegas geht. Die beiden sind irgendwie geistesverwandt: In meiner Phantasie sieht Vegas immer ein wenig aus wie Conrad.

Besonderes Fingerspitzengefühl ist gefragt, wenn ein neuer Autor an die Serie herangeführt werden soll. So war es zum Beispiel bei Uwe Helmut Grave, der heute nicht mehr wegzudenken ist aus unserer Mannschaft, der sich anfangs aber mit Händen und Füßen dagegen sträubte, SF zu schreiben. Also verfaßte ich ihm erst einmal ein Abenteuer, in dem Dhark nur am Rande vorkam und Chris Shanton mit seinem Roboterhund Jimmy die Hauptrolle spielte. Sein dritter Dhark-Roman spielte sogar fast völlig »neben« der Serie und schilderte das Ende der Walfen, von denen nur Danog ut Keltris überlebte. Den allerdings schilderte Uwe so lebendig, daß er Eingang fand ins Repertoire der Figuren und demnächst in einer (natürlich von Uwe verfaßten) Kurzgeschichte im 29. Sonderband wieder von sich reden machen wird.

Von den heute aktiven Dhark-Autoren sind nur Conrad Shepherd und Uwe Helmut Grave seit dem ersten Drakhon-Band an Bord. Conrad schriebt sogar schon am in die Classic-Bände neu integrierten G’Loorn-Zyklus mit. Die anderen drei – Alfred Bekker, Achim Mehnert und Jo Zybell – wurden von mir mit passenden Exposés »angefüttert« und an die Serie herangeführt.

Manchmal werde ich gefragt, ob mir meine Arbeit nach mehr als 200 Exposés für  Ren Dhark und seine »Nebenserien« überhaupt noch Spaß macht und ob mir nicht irgendwann die Ideen ausgehen. Nun – mein Spaß an der Arbeit ist heute vielleicht noch größer als 1999 (falls das überhaupt geht). Und wieso sollten mir die Ideen ausgehen? Das Leben geht ja schließlich auch weiter, oder?

Übrigens: Wer wissen möchte, wie so ein Ren Dhark-Exposé aussieht, findet eines als pdf-Datei unter http://www.rendhark-universe.net/zubehoer/
diverses/Expose89.pdf


Viel Spaß beim Lesen und Vergleichen mit dem daraus entstandenen Roman!

 
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