Ren Dhark
     

Uwe Helmut Grave

Uwe Helmut Grave

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Des Autoren schlimmster Feind
Von den Schwierigkeiten, ein Exposé auszuarbeiten

Der Bitwar-Zyklus ist abgeschlossen, neue Romane sind in Arbeit – genau der richtige Zeitpunkt für einen Autoren, sich ein paar Gedanken übers Schreiben zu machen. Und über sich selbst.
Ich bin nicht nur Freiberufler, sondern auch Freidenker, ein freier Mensch also, der sich ungern Vorschriften und Zwängen unterwirft und seiner Phantasie gern freien Lauf läßt. Nach einem Exposé zu schreiben, schränkt mich in meiner Freiheit erheblich ein. Die wenigen Freiräume, die mir dabei verbleiben, muß ich mir jedesmal hart erkämpfen. Mein schlimmster Feind in diesem Kampf ist der Exposéautor.
Grundsätzlich besteht er darauf, daß man sich als exposéausarbeitender Autor strikt ans Exposé hält – man darf nichts streichen und nichts hinzuerfinden. Im Klartext: Er möchte seine Handvoll Exposéseiten möglichst im Originalzustand (!) zurückhaben, auf gute hundert Seiten ausgedehnt, jedoch ohne daß daran irgendwas verändert wurde. Die Quadratur des Kreises! Schmeiß mich ins Wasser, ohne daß ich naß werde! Da eine solche Vorgabe unmöglich zu erfüllen ist, egal wie sehr man sich anstrengt, hat der Exposéautor von Anfang an das bessere Blatt auf der Hand.

Schon beim ersten Durchlesen meines Exposés halte ich nach ausbaufähigen Inhalten Ausschau. Da man bei einem prallgefüllten Exposé nicht jede Szene voll ausreizen kann, kommen im Endeffekt manche Handlungsstränge zu kurz. Darauf hat der Exposéautor nur gewartet! Kaum hat er mein fertiges Skript gelesen, schlägt er gnadenlos zu! Schreibe ich beispielsweise ausführlich über eine zwischenmenschliche Beziehung, heißt es, ich habe diesen Textbereich zu sehr ausgewalzt. „Statt dessen hättest du mehr Gewicht auf die Raumschlacht legen müssen, schließlich ist das kein Liebesroman!“ Lenke ich aber mein hauptsächliches Augenmerk auf jene Raumschlacht und hake das Zwischenmenschliche nur am Rande ab, heißt es: „Unsere Helden sind keine Roboter, sondern denkende, fühlende Wesen, das hättest du besser herausstellen müssen. Bei Platzproblemen hättest du ja etwas weniger Weltraumballerei einbauen können.“ Ich komme mir dann jedesmal vor wie der arme Kerl, der von seiner Schwiegermutter zum Geburtstag zwei Krawatten geschenkt bekommt. Um ihr zu zeigen, daß sie seinen Geschmack getroffen hat, bindet er sich sofort eine um. Daraufhin bemerkt sie gehässig: „Ach, die andere gefällt dir wohl nicht!“

Soweit zu den mit Handlung prallgefüllten Exposés. Es gibt aber auch andere, weniger inhaltvolle Exposés, bei denen am Schluß des Skripts leere Seiten übrigbleiben. In solchen Fällen studiert man nochmals gründlich Handlungsstrang um Handlungsstrang, auf der Suche nach ausbaufähigen Stellen. Die finden sich immer, wenn man seine Phantasie (und darüber verfügen Autoren glücklicherweise reichlich) ein wenig anstrengt. Ein gutes Beispiel im Bitwar-Zyklus ist die Flucht der Menschen vor der sterbenden Sonne. Man kann deren Probleme zusammenfassend schildern (was der Spannung nicht zwangsläufig abträglich sein muß) und dann wieder zum „Weltall-Alltag“ übergehen – oder aber man widmet sich dem einen oder anderen Einzelschicksal und erfindet Nebenschauplätze mit Nebenfiguren, die nicht im Exposé vorkommen, austauschbare „kleine Helden“, die im Verlauf der späteren Handlung wieder in den Weiten des Leseuniversums verschwinden...
Gerade solche Nebenschauplätze sind es, die bei vielen Lesern ankommen, weil sie den Roman lebendig machen, und manchmal übernimmt der Exposéautor sogar die eine oder andere Nebenfigur für weitere Exposés. Das bedeutet jedoch nicht, daß einen dieser undankbare Mensch dafür mit Lob überschüttet, etwa in der Art: „Danke, daß du selbständig mitgedacht hast, statt wie ein kleiner Junge nach deiner Mutti zu rufen, nur weil du noch ein paar leere Seiten füllen mußtest. Daran merkt man doch gleich, daß ich mit Profis zusammenarbeite.“ Nein, mitunter sieht die Sache ganz anders aus: „Wenn euer Exposé nicht genug Stoff hergibt, bitte ich um einen kurzen Anruf zur Regelung des Problems. Den Einschub eigener Zusatzgeschichten empfinde ich in der Regel als wenig prickelnd.“

Fazit: Der Exposéautor ist des Autoren schlimmster Feind! Am besten, man beschwert sich über ihn, und zwar direkt beim Herausgeber der Ren Dhark-Buchserie; der Mann hat immer ein offenes Ohr für uns exposéausarbeitende Autoren. Er ist wie ein Vater zu uns – wenn da nur nicht sein anderes Ich wäre...

Freude am Lesen!
Uwe Helmut Grave

 
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