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Hajo F. Breuer
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thema Utopien
Die vielfältigen Möglichkeiten der Science-fiction

von Hajo F. Breuer

Science-fiction ist eine amerikanische Erfindung aus dem vorigen Jahrhundert. Utopische Literatur ist wesentlich älter. Der erste utopische Roman wurde im Jahr 1516 von dem Engländer Sir Thomas More (Morus) veröffentlicht. Darin schilderte er in lateinischer Sprache einen fiktiven Staat, der als idealisiertes Gegenmodell zur Realität der Renaissance diente.
Utopische Literatur befaßt sich mit dem Entwurf alternativer, meist zukünftiger Welten, um mit diesem Bild die Gegenwart zu kritisieren. Bekannte Vertreter dieser Literaturgattung aus jüngerer Zeit sind H. G. Wells, der mit Die Zeitmaschine ein düsteres Bild unserer Zukunft entwarf, oder George Orwell, dessen nicht minder düstere Prognosen aus seinem bekanntesten Werk 1984 teilweise leider schon Wirklichkeit geworden sind.
Utopische Romane ganz anderer Art schrieb Jules Verne, in dessen Zukunftsabenteuern weniger gesellschaftliche Entwürfe im Zentrum standen, sondern vielmehr technische Entwicklungen, die seiner Zeit weit voraus waren. In Deutschland war Hans Dominik ein Vertreter dieser neuen Literaturgattung, deren Name erst nach Vernes Tod in Amerika geprägt wurde: Science-fiction oder kurz SF.
Diese Form der Literatur will ihre Leser meist »nur« unterhalten - was in meinen Augen eigentlich der höchste Anspruch ist, den Literatur überhaupt haben kann - und nicht unbedingt zur Auseinandersetzung mit politischen, philosophischen oder sonstigen Problemen animieren. SF benutzt absolut unmögliche, aber doch denkbare technische Neuentwicklungen, um die Bühne zu schaffen für abenteuerliche Erlebnisse, die ohne die (ausgedachte) Technik nicht möglich wären. Aber getreu dem Motto: »Was denkbar ist, ist auch machbar« sind viele »Entwicklungen« der Science-fiction längst Realität. So gibt es eigentlich keine »Erfindung« Jules Vernes, die heute nicht auf die ein oder andere Art und Weise realisiert worden wäre, und auch die Stratosphärenkreuzer eines Hans Dominik werden von den realen Flugzeugen der Gegenwart übertroffen.
Ich halte es auch nicht für ausgeschlossen, daß es eines fernen Tages Raumschiffe geben wird, gegen die Ren Dharks POINT OF ein alter Hut wäre. Was mich an der Science-fiction fasziniert, ist das Spiel mit den Möglichkeiten. Ein Autor macht die Vorgabe, daß es überlichtschnelle Raumschiffe gibt. Im Rahmen dieser Vorgabe können nun Geschichten spielen, die ohne solche Raumschiffe undenkbar wären.
Das ist eine herrliche Spielwiese für Ideen.
Aber einem großen Teil der SF merkt man an, daß sie von Mitgliedern eines Kulturkreises geschrieben wurde, der die Schwerindustrie erfand. Schlachtschiffe durchkreuzen nun nicht länger die Weltmeere, sondern die Sternenozeane. Die Kaliber der (Strahl-)Kanonen wachsen ebenso wie die Dicke der Panzerung oder die Leistungsfähigkeit der Schutzschirme. SF in Europa und den USA bedeutet auch Fortschreibung einer industriellen Entwicklung, die in der Realität eigentlich längst beendet wurde.
Sicher, viele SF-Romane befassen sich auch mit anderen wissenschaftlichen Themen der Zukunft. Die Entwicklung der Computertechnik ist gar das Thema einer eigenen Gattung innerhalb der SF, des »Cyberpunk«. Aber die vielleicht machtvollste Wissenschaft mit dem größten Entwicklungspotential spielt in der herkömmlichen Science-fiction nur die Rolle eines Mauerblümchens: die Biologie.
Denn die führt in der öffentlichen Wahrnehmung unserer Gegenwart nach wie vor eine Schattenrolle. Dabei wurde in den Medien soeben gemeldet, daß sich menschliche Stammzellen aus der Bauchspeicheldrüse eines Erwachsenen gewinnen lassen. Eine Sensation, die nur in Fachkreisen ausreichend gewürdigt wird.
Denn aus Stammzellen kann man theoretisch alles erschaffen, auch komplette Organe. Und das ist erst ein kleiner Anfang. Wenn die SF sich der Möglichkeiten der Biologie einmal so annimmt wie derer der Physik, dann tun sich ganz neue Möglichkeiten für phantastische Abenteuer auf.
Was sprich eigentlich dagegen, daß ein Volk, das einen gewissen Entwicklungsstand erreicht hat, sich sozusagen selbst neu definiert und mit gezielten biologischen Manipulationen in wenigen Tagen mehr erreicht als die natürliche Evolution in einer Million Jahren?
Warum müssen Waffen immer physikalischer Natur sein? Immerhin kennt schon die Menschheit der Gegenwart einige recht gemeine biologische Waffen! Was spricht eigentlich gegen Kriege um biologische Ressourcen? Was gegen Wissenschaftler, die Gott spielen und ihre eigenen, lebenden Kreationen erschaffen? Gar nichts, wenn man die Möglichkeiten der SF ausreizt.
 
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