Ren Dhark
     
Hajo F. Breuer
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thema Steuererhöhung
Politik in der SF

von Hajo F. Breuer

Wenn man an einer Serie wie Ren Dhark arbeitet, muß man sich immer wieder aufs neue die Frage stellen: Ist das, was wir machen, nachvollziehbar und vernünftig? Sicher, im Prinzip bieten wir mit RD nicht mehr, aber auch nicht weniger als Unterhaltungsliteratur, die in der Zukunft spielt. Bestimmte technische Einschränkungen, denen wir heute unterworfen sind, gibt es in dieser imaginären Zukunft nicht mehr. Wichtigste dieser Veränderungen der Realität ist die überlichtschnelle Raumfahrt, ohne die Ren Dharks Abenteuer nicht möglich wären.

Damit sind wir beim Stichwort »Abenteuer«: Die Story muß spannend, unterhaltend und nachvollziehbar sein. Das heißt: Wenn man bestimmte Vorgaben ändert – etwa die Unmöglichkeit der überlichtschnellen Fortbewegung – dann muß man sich immer an die Prämissen halten, unter der eine solche Änderung laut dem Roman möglich sein soll. Wenn man zum Beispiel eine Vampirgeschichte schreibt, darf man Dracula nicht plötzlich mit einer Silberkugel (Sie wissen schon, die für Werwölfe) töten. Eine Geschichte darf von der Realität abweichen, aber sie muß sich streng an die von ihr selbst geschaffene neue Realität halten, sonst wird sie uninteressant.

In einer SF-Serie wie Ren Dhark haben wir nun eine ganze Reihe von in unserer Gegenwart gültigen technischen Regeln geändert. Die Menschen hingegen sind (sieht man einmal von der Ausnahme der Cyborgs ab) so geblieben, wie sie sind. Und damit hat sich auch an den grundlegenden Fragen des menschlichen Zusammenlebens nichts geändert – auch nicht an der Art und Weise, wie Menschen Politik machen (müssen).

Vor einigen Tagen gab es im Ren Dhark-Forum einen Beitrag, in dem Unverständnis darüber geäußert wurde, daß Regierungschef Trawisheim angesichts der offenen Bedrohung durch das Robotervolk von Eins nicht einfach massiv aufgerüstet hat. Aber das wäre innerhalb der Geschichte von Ren Dhark unmöglich, daher unlogisch und deshalb eine extrem schlechte Lösung. Wir erinnern uns: Nach der erst wenige Jahre zurückliegenden Giant-Invasion mußten auf der Erde gewaltige Schäden beseitigt werden. Die Finanzen des Staates sind mehr als nur angespannt.

Und Trawisheim als einziger Cyborg auf geistiger Basis muß noch viel klarer als ein normaler Mensch begreifen, was geht und was nicht. Sehen wir uns doch nur einmal in der Realität um: Das Dritte Reich war ja nun nicht gerade ein Hort des Pazifismus. Trotzdem erreichte die Rüstungsproduktion niemals das Volumen, das nötig gewesen wäre, um den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen. Am Willen der damals verantwortlichen Politiker hat das bestimmt nicht gelegen. Jede Volkswirtschaft hat nun einmal ihre Grenzen, kann nur eine bestimmte Menge an Gütern und Dienstleistungen produzieren – auch wenn sich die Führung noch so sehr wünscht, es möge doch bitte mehr sein.

Aber Wünschen hilft nicht – weder in der Realität noch im Kosmos von Ren Dhark. Und das muß auch weiterhin so bleiben, damit die Abenteuer nachvollziehbar und damit spannend bleiben. Wenn wir doch Wünsche äußern, dann höchstens für die Gegenwart.

Ich glaube zwar nicht, daß uns Wünsche weiterbringen können – aber ich war schon immer ein Träumer. Und so träume ich davon, vielleicht eines Tages doch noch einen Cyborg auf geistiger Basis in der Realität zu erleben, der die reale Politik nicht an seinen Wünschen ausrichtet, sondern an dem real Machbaren. Dieser Wunsch keimte schlagartig in mir auf, als ich kürzlich den neuen Bundesfinanzminister Steinbrück äußern hörte, die Bundesrepublik habe kein Ausgabenproblem, sondern nur ein Einnahmeproblem. Damit wollte er die geplanten Steuererhöhungen rechtfertigen.

Na, mein lieber Herr Minister, Ausgabeprobleme habe ich auch noch nie gehabt. Auch meine Probleme liegen nur auf der Einnahmenseite. Aber irgendwie schaltet mein Verleger immer auf taub, wenn ich ihm davon erzähle. Ich könnte natürlich meinen Revolver aus dem Schrank holen und höhere Einnahmen mit Gewalt durchsetzen – ich glaube nur nicht, daß ich lange etwas davon hätte.

Sie, lieber Herr Minister, haben natürlich ganz andere Möglichkeiten, höhere Einnahmen durchzusetzen – glauben Sie. Denn von der Laffer-Kurve haben Sie offenbar noch nie etwas gehört. Die weist unwiderlegbar nach, daß man Steuern (und Sozialabgaben sind nichts anderes als Steuern) nur bis zu einem bestimmten Punkt erhöhen kann, um höhere Einnahmen zu erzielen. Erhöhen Sie die Steuern über diesen Punkt hinaus, sinken Ihre Einnahmen wieder – trotz höherer Steuersätze! An der Tabaksteuer konnten Sie die Gültigkeit dieses Gesetzes schon erleben.

Was will ich mit diesen Zeilen sagen? Nun, eigentlich ist es ganz einfach: Wenn wir bei Ren Dhark eine Figur wie Finanzminister Steinbrück einführen würden, kämen jede Menge Proteste von Lesern, daß eine solche Figur unrealistisch wäre und kein vernünftiger terranischer Politiker solchen Unsinn von sich gäbe. Und wissen Sie was? Die Leser hätten recht...

 
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