Ren Dhark
     
Werner Kurt Giesa
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Werner Kurt Giesa
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Geboren am 7. 9. 1954 in Hamm/Westfalen. Seit 1965 in Lippstadt/Westfalen ansässig geworden, Abitur 1974 mit dem Wunsch, Gymnasiallehrer zu werden. Kunst- und Germanistik-Studium an der Universität Paderborn. Als Kriegsdienstverweigerer anerkannt, 16 Monate Zivildienst in einem Jugendfreizeitheim im westfälischen Dorsten, auch danach noch viele Jahre ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendbetreuung tätig (und in der Jugendpolitik - die teils heftigen Auseinandersetzungen mit CDU-Kreistagsabgeordneten sind legendär). Ab Ende 1977 haupt- und freiberuflich Schriftsteller. Seit 1986 intensiv und munter verheiratet und in der Nähe von Frankfurt/M. angesiedelt. Von Ende 1998 bis Sommer 2002 der zu Pflegefällen gewordenen und mittlerweile verstorbenen Eltern wegen wieder sehr häufig in der bis dahin nie aufgegebenen Wohnung in Lippstadt zu finden, danach aber nie mehr. Und seit Anfang 2000 aus Umweltschutzgründen im Besitz eines kleinen Stückchen Landes in Schottlands höchstem Norden und dadurch Laird of Glencairn.

Der Drang zum Schreiben entwickelte sich schon recht früh; durch die 1965 gestartete Science-fiction-Serie Ren Dhark des KELTER-Verlags inspiriert, entstanden die ersten kürzeren Geschichten, handschriftlich und mit Auflage 1 und selbstgemalten Titelbildern in der Schulklasse kursierend und schon bald in eine regelrechte "Massenproduktion" ausartend. Dann erster Kontakt zum Science-fiction-Fandom, und selbiges alsbald mittels eines Spirit-Carbon-Umdruckers und des "nichtkommerziellen Verlags terrapress" mit der Weiterführung jener "Massenproduktion" überschwemmt. Thema: Science-fiction, ein bißchen Fantasy, auch ein bißchen Dark Fantasy und auch ein bißchen Western.
Mit 15 Jahren der erste Versuch, "richtige Romane" an Verlage zu verkaufen; die Ablehnungen waren durchschaubar fadenscheinig und ließen erkennen, daß die Romane nicht mal gelesen wurden (z.B. für eine Heftreihe "vom Umfang her zu gering" bei deutlicher Überlänge; ein Ablehnungsproblem, mit dem Jung-Autoren auch heute zu kämpfen haben, weil die Redakteure mangels Zeit einfach nicht alles lesen können, was ihnen täglich auf den Schreibtisch flattert - zehn bis hundert unverlangt eingesandte Manuskripte - pro Tag! - sind keine Seltenheit). Derweil drohten die Schulzensuren in tiefe Abgründe zu gleiten, trotzdem gab's einen brauchbaren Abiturdurchschnitt und ein Studium, das viele - zu viele - Jahre lang gewissermaßen neben dem Schreiben betrieben wurde...
In den Jahren 1975/76 intensive Kontaktpflege mit dem niederländischen Literaturagenten Robert A. J. Zielschot, Veröffentlichungen in Holland und durch RAJ Zielschot; schließlich die Weiterleitung an die Romanagentur Karin Grasmück. Seit Ende 1977 dann das professionelle Schreiben; 1978 die ersten Veröffentlichungen beim BASTEI-Verlag in Bergisch Gladbach bei Köln. Bis heute weit über 700 Veröffentlichungen - als Buch, Taschenbuch oder Romanheft bei unterschiedlichen Verlagen, mit zahlreichen Übersetzungen ins Ausland.
Die Themen: neben Abenteuerromanen, Western, Krimi-Stories und einem vorübergehenden Ausflug in die Gefilde der erotischen Liebesromane, natürlich immer wieder die Fantastik in all ihren Spielarten. Meine Vorliebe gilt nach wie vor der SF, und durch die Agentur 1977/78 in die Gruselserie Professor Zamorra eingeführt, wurde diese Serie sehr schnell in Richtung Abenteuer und Fantasy mit leichtem SF-Touch umgebaut. "Horror" ist für mich ein ungeliebtes Fremdwort; ich bevorzuge die Bezeichnung "Gruselabenteuer mit magisch-mystischem Einschlag". Oder, wie es heute neudeutsch heißt, "Mystery".
Entsprechend ist die Zamorra -Serie geprägt, in die ich mit Band 111 einstieg, die ich nach dem Ausscheiden der anderen Mitarbeiter seit Band 331 lange Jahre allein schrieb und in der auch subtile Sozial- und Gesellschaftskritik, für Heftserien eher untypisch, ihren Platz hat. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen, die Figuren sind eher grau als in schwarz und weiß getrennt; auch wenn natürlich der Held immer der strahlende Sieger zu sein hat, gibt es doch Sympathien für die Gegenspieler. Das Böse wird differenziert und nach dem Warum gefragt; der Leser zum Nachdenken angeregt. Professor Zamorra giesa'scher Prägung ist der Versuch, aus den Zwängen des Heft-Genres auszubrechen und etwas mehr als spannende Unterhaltung zu präsentieren.
Auch in meinen Romanen, die nicht zum Grusel-Genre gehören, tauchen diese Ansätze immer wieder auf. Ich schreibe, was ich selbst gern lesen würde: Abenteuerliches, Kritisches, Nachdenkliches. Möglichst fundiert muß es sein und Hintergründe und Fakten nach besten Kräften und Möglichkeiten recherchiert, auch wenn viele andere, Kollegen wie Kritiker, der Ansicht sind, daß sich ein solcher Aufwand für angeblich anspruchslose Unterhaltungsromane nicht lohnt.

Die arg karg gewordene Freizeit gehört der Familie und den Hobbies, von denen das Filmen längst dem Zeitmangel zum Opfer fiel. Geblieben sind: Lesen (die Bibliothek umfaßt bereits weit über 12 000 größtenteils katalogisierte Werke), Zeichnen, end- und uferlos Diskutieren und das Sammeln und "Supern" von Modellautos im Modelleisenbahnmaßstab 1:87 (die Sammlung umfaßt derzeit etwa 2000 Exemplare) sowie Besitzen und Fahren von großen und schnellen Autos im Leibhaftigkeitsmaßstab 1:1 (die Sammlung umfaßt derzeit etwa 2 Exemplare). Und falls dabei Country- und Cajun-Musik oder noch lieber keltische Folklore erklingt, ist der Tag fast schon gerettet.
Wenn es dann Nacht wird, beginnt die Arbeit: niemand stört mehr, nichts lenkt mehr ab, das Gehirn ist warmgelaufen, die Gedanken und Ideen fließen, bis irgendwann irgendwo im Osten (ähem, hüstel, wo sonst auf unserem Planeten?) die Sonne aufgeht (und das Morgengrauen oft genug zum Morgen-Grauen werden läßt). Und der Teufel soll denjenigen holen, der es riskiert, den Autor dann während des - mitternächtlichen (nochmals ähem, hüstel!) - Vormittags aus dem wohlverdienten Schlaf zu reißen...

Zum Tod von Werner Kurt Giesa
 
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