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Jan Gardemann

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„Ich war schon als Kind ein Sturkopf“

Jan Gardemann – der mit dem Drachen tanzt
Mai 2008

Als Jan in den 80er-Jahren heiratete, nahm er den Namen seiner Frau an (nein, nicht Anja): Gardemann. Noch heute nennt er sie zärtlich seine Geliebte. Ich kenne sie bisher nicht, könnte mir aber vorstellen, daß ihr so etwas gefällt – mit Sicherheit besser als wenn er eine heimliche Geliebte hätte, die er Anja nennt.
Beide leben an einem ungewöhnlichen Platz im niedersächsischen Suderburg: in einer alten Friedhofsgärtnerei. „Dort halte ich mich, wenn es meine Arbeit erlaubt und das Wetter gut ist, gern in meinem riesigen Garten auf“, erzählt Jan, „genieße das Landleben und freue mich, wenn ich meine Ruhe habe, was mit drei Kindern im Haushalt eher selten vorkommt – Paul ist 18, Jakob 17 und Johanna 10.“ Das klingt nach Urlaub! „Urlaub? Den machen wir natürlich in großen Städten, während die Großstädter ins Grüne fahren.“
Seine Kindheit verbrachte Jan allerdings nicht auf dem Land, sondern...
„... in einem Hamburger Hochhausghetto. Zudem lebte ich mehrere Jahre auf dem Kiez. Dort ging es immer recht lebendig zu – genau wie hier: Wir haben Hühner und viele Katzen auf unserem Hof. Zeitweilig hatten wir sogar zwei Ziegen, die ich leider fortgeben mußte, da meine Arbeit mir nur wenig Zeit für dieses Hobby läßt. Deshalb wollte ich die beiden Ziegen eigentlich meiner Frau schenken, damit sie sich darum kümmern muß, doch diese undankbare Person hat mein ‚Danaergeschenk’ schnöde zurückgewiesen.“ 
Ich schließe die Augen und stelle mir vor, wie es sich Jan daheim vor seiner Tastatur bequem macht, an seinen Manuskripten herumfeilt und durchs Fenster seiner Frau dabei zuschaut, wie sie die Tiere versorgt und sich im Garten abschindet. Warum auch nicht? Schließlich hat ihr Mann einen wichtigen Beruf und kann daher von seiner Ehefrau erwarten, daß sie ihm den Rücken freihält. Doch Anjas Beruf(ung) erweist sich als weitaus wichtiger. „Meine Frau ist Hebamme, bringt seit 25 Jahren Kinder auf die Welt und hat in Uelzen zusammen mit einer Kollegin ein Geburtshaus gegründet.“ Pech gehabt, dagegen kommt man als einfacher Schriftsteller nicht an.
Apropos: Wie kam Jan überhaupt auf den irrwitzigen Gedanken, sich ausgerechnet zur schreibenden Zunft zu gesellen?
„Es mag idiotisch klingen, aber ich wollte tatsächlich schon immer Heftromanautor werden, denn die Vorstellung, anderen Leuten mit meiner Schreibe genausoviel Freude zu bereiten wie ich sie beim Lesen von Heftromanen empfand, erschien mir als ein hehres Ziel. Anfangs hielt ich mich mit allen möglichen Gaunereien und Jobs über Wasser, inzwischen kann ich darauf verzichten. Während des Schreibens und auch sonst ist ständig Musik um mich herum. Ich höre Musik beim Arbeiten, Essenkochen, Rasenmähen, beim Entspannen und beim Lesen. Wenn ich allein in meinem Arbeitszimmer sitze und schreibe, habe ich immer das Gefühl, daß der Raum voller Leute ist. Die Atmosphäre ist dann für mich sehr lebhaft und lebendig. Ein Betrachter würde allerdings bloß einen einsamen Mann mit Halbglatze sehen, der über seine Tastatur gebeugt dasitzt und so aussieht, als sollte man ihn lieber nicht ansprechen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß in einem Großraumbüro mehr los ist als in meinem Arbeitszimmer.“
Unter anderem schreibt Jan Gardemann Liebesromane, doch längst nicht alles, was seiner Phantasie entspringt, ist geeignet für zarte Gemüter. Damit ist er bei der Abenteuerserie Ren Dhark gut aufgehoben, denn dort geht es oft richtig hart zur Sache. Wirkt sich das auf sein idyllisches Familienleben aus? Zittern die Kinder, wenn Jan der Gnadenlose mit der Faust auf den Tisch haut? 
„Ganz im Gegenteil, ich Weichei bringe es einfach nicht fertig, streng zu sein und meinen direkten Nachkommen eine Bitte auszuschlagen. Ich fürchte, daß sie deshalb in ihrem Leben ernsthafte Schwierigkeiten bekommen werden und spare jetzt schon, um ihnen als Abbitte die zahllosen Therapiestunden zu bezahlen, die sie vielleicht eines Tages brauchen.“
Demnach ist er leicht beeinflußbar?
„Ganz sicher nicht. Ich war schon als Kind ein Sturkopf. Wenn ich mir etwas vorgenommen hatte, war mir diese Sache nicht mehr auszureden. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ein Beruf ist eine Berufung. Was du dein Leben lang machen mußt, sollte dir unbedingt auch Spaß machen! Damit schieden alle Berufe außer einem künstlerischen für mich aus. Für mich war klar: Entweder werde ich Kunstmaler oder Schriftsteller. Mit der Malerei wurde es nichts, aber mit dem Schreiben. Inzwischen habe ich knapp über zweihundert Heftromane geschrieben. Für die Zukunft wünsche ich mir vermehrt Präsenz auf dem Buchmarkt, was mir dank Ren Dhark ja nun sogar schon ansatzweise gelungen ist.“
Und wie steht Jan Gardemann zur Science Fiction?
(Eine unschuldige kurze Frage, für die er eine ellenlange Interpretation und Deutung parat hat.)
„Meine Eltern waren strikt dagegen, daß ich Heftromane las. Doch all ihre Argumente konnten mir die Lektüre nicht verleiden. Natürlich habe ich auch andere Bücher gelesen; von Kafka, Poe, Lovecraft und Wolfgang Borchert war ich am meisten begeistert, und wenn ich das Glück hatte, daß diese Schriftsteller im Deutschunterricht behandelt wurden, nervte ich meine Lehrer mit ellenlangen Interpretationen und Deutungen. Mein Heftromankonsum beschränkte sich auf das Horror-Genre. Ich habe alles inhaliert, was in den 70er- bis 80er-Jahren auf diesem Gebiet publiziert wurde. SF-Serien habe ich nicht gelesen. Doch einige meiner besten Freunde taten es, und sie schilderten mir ausführlich, was in den Serien gerade so abging.
Auch wenn ich die Science Fiction-Hefte verschmähte, so hat mich das Genre trotzdem mein ganzes Leseleben über begleitet. Ich entdeckte früh die Heyne-SF-Taschenbücher für mich, und als ich meine expressionistische Lesephase hatte, habe ich die skurril-schrulligen Werke von Paul Scheerbart verschlungen. Inzwischen lese ich fast nur noch SF und hin und wieder auch mal einen Horrorroman. Meine Favoriten sind zur Zeit J.G. Ballard und natürlich P.K. Dick. Es würde jetzt aber zu weit führen, wenn ich all die SF-Autoren aufzählen sollte, die mich begeistert und beeinflußt haben (auch wenn mich dies durchaus reizt). Meine besondere Vorliebe gilt der SF-Kurzgeschichte, von denen ich selber bereits einige veröffentlicht habe. Leider ist diese Kurzform nicht sehr populär.
An der SF begeistert mich besonders das Fremdartige, Geheimnisvolle und Phantastische. Sense of Wonder ist in seinem Facettenreichtum so unerschöpflich wie das Weltall – es ist aber eine Kopfgeburt von uns Schriftstellern und daher teilweise ein Zerrspiegel der Zeit und der gesellschaftlichen Entwicklungen, die uns beeinflussen. Gerade weil die Science Fiction versucht, das Fremde zu ergründen (Lovekraft hat es den "kosmischen Schrecken" genannt), zeigt sie die Entwicklungsmöglichkeiten von uns Menschen auf. Wo sonst liegen Schrecken und Wißbegierde so nahe beieinander? Die literarische Reise ins All ist also auch immer eine Reise in unser eigenes Unterbewußtsein. Ich bin überzeugt, daß der Aspekt des Unterbewußtseins und der Umgang mit dem Fremden die Leser unterschwellig stark anspricht und sie sich deshalb von uns auch so gut unterhalten fühlen.“
Darüber und über vieles sonstige aus der Welt der Schriftstellerei spricht Jan manchmal mit anderen Autoren.
„Ich gehöre einer Autorengruppe an, die sich ein- bis zweimal im Jahr trifft. Wir lesen uns dann gegenseitig unsere Texte vor und zerpflücken sie freundschaftlich. Außerdem stehe ich per Internet mit einigen Kollegen in Kontakt, von denen ich den meisten noch nie persönlich begegnet bin. Fanpost trudelt bei mir nur wenig, aber dafür kontinuierlich ein – das reicht mir. Ich bin mir sicher, daß es viele Leute gibt, die von meinen Texten gut unterhalten werden. Daß dies so sein muß, verraten mir die wenigen Zuschriften, aber hauptsächlich die Bestätigung, die ich von den Lektoren erhalte, zu denen ich unbedingtes Vertrauen habe.“
Und was tut er, wenn er sich mal nicht mit dem Thema Schreiben befaßt?
„Dann lese ich. Ich lese für mein Leben gerne; das klingt bestimmt zum Gähnen langweilig, stimmt aber.“
Mal ehrlich, Jan, ab und zu guckst du doch auch mal in die Röhre, oder?
„Ich hasse das Fernsehen wegen der Werbung und schaue deshalb seit Jahren nur noch DVD´s, natürlich SF, aber auch Zombiefilme – und vor allem: GODZILLA! Manchmal trinke ich abends mit meiner Frau Wein, und wenn sie angeheitert genug ist, zwinge ich sie, alte Godzilla-Filme mit mir anzusehen.“
Filme über riesige häßliche Drachen, die Städte zertrampeln, Eis und Feuer speien und dabei seltsame Geräusche von sich geben? Ehrlich, dazu fällt mir nichts mehr ein.

Freude am Lesen!
U.H.G.

 
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