Ren Dhark
     
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Die wahre Geschichte der RD-Autorenkonferenz

Ein fesselnder Bericht von Uwe Helmut Grave

Als ich vom HJB-Verlag den Auftrag bekam, einen möglichst fesselnden Bericht über unsere Ren Dhark-Konferenz am 31.1./1.2.2003 (Freitag/Samstag) in Neuwied anzufertigen, wurde ich ganz blaß, und ich fragte entsetzt: "Wäre es nicht besser, den Dhark-Lesern das ganze Dilemma zu verschweigen? Die Wahrheit verkraften sie nie!" Meine Bedenken wurden mit Geld zerstreut.
Die Geschichte jener historischen Konferenz ist eine Geschichte von Chaos und Niedertracht. Schon Wochen vorher hatten wir Ren Dhark-Macher gehörigen Stunk miteinander, den wir per Telefon oder übers Internet austrugen. Wir - das sind die Autoren Werner K. Giesa, Konrad Schaef (alias Conrad Shepherd), Manfred Weinland, Achim Mehnert, Alfred Bekker und ich (Uwe Helmut Grave) sowie der Verleger Hansjoachim Bernt und Buchherausgeber Hajo F. Breuer, nicht zu vergessen Heiko Langhans als Biograph und Verfasser des Arbeitslexikons. Unsere Streitigkeiten drehten sich wie üblich um den Inhalt der aktuellen Dhark-Bücher und den für August 2004 geplanten neuen Zyklus. Jeder hatte dazu eine andere Meinung, und die galt es mit allen Mitteln durchzusetzen.
Im Hotel "Waldhaus Wingertsberg" trafen wir am Freitagnachmittag zusammen. Tolle Aussicht von dort oben, und man kann ganz schön tief fallen - so wie mein Miet-Polo, den Hajo mit seinem Ferrari kurzerhand über den Abhang schob, weil ich ihm den letzten Parkplatz vor der Nase weggeschnappt hatte. Großzügigerweise ließ er mich vorher aussteigen.
In der Hotelhalle stießen wir auf die übrigen Konferenzteilnehmer, die bereits fleißig Höflichkeiten austauschten. "Du hast doch einen an der Waffel!" - "Wer, ich? Ich bin Gott!" - "Mach mir den Roboter!" Und so weiter und so fort.
Bei einem zwölfgängigen Abendmenü redeten wir uns die Köpfe heiß und leerten hinterher mehrere Flaschen Edelwhisky. Dazu wurden schwere Zigarren aus Havanna und leichte Mädchen aus dem Ort gereicht.
Nach und nach verschwand etwa die Hälfte der Gruppe mit den Mädels aufs Zimmer, so daß nur noch ein harter Kern von fünf Volltrunkenen die Bar bevölkerte. Im Alkoholrausch wurden finstere Umsturzpläne geschmiedet. Wie wird man Verleger anstelle des Verlegers?
Nähere Einzelheiten besprachen wir später in meiner Suite, da man uns an der Hotelbar aufgrund der späten Stunde (3 Uhr!) nichts mehr ausschenken wollte. Glücklicherweise hatte ich noch ein paar Flaschen teuren Champagner im Gepäck.
Nachdem wir Zeit und Ort unseres Putsches festgelegt hatten, reichten wir uns die Hände und leisteten den berühmten Geheimschwur vom Wingertsberg: "Einer gegen alle, alle auf einen!"
Am nächsten Morgen hatten sämtliche Verschwörer einen Mordskater und konnten sich an nichts mehr erinnern. Glücklicherweise hatte ich das Gespräch heimlich auf meinem Diktiergerät mitgeschnitten. Ich überreichte das Tonband dem Verleger (der mich für meine Spitzeldienste übrigens hervorragend bezahlt), und im Verlauf der nachfolgenden Konferenz rollten dann massenweise Köpfe.
Ja, ich denke, dieser Bericht ist wirklich fesselnd, womit ich die gewünschten Auftragskriterien erfüllt hätte. Dummerweise entspricht er nicht der Wahrheit - die ist nämlich viel nüchterner, um nicht zu sagen: öder.
In Wirklichkeit streiten wir Dhark-Macher uns nie über Telefon oder Internet. Statt dessen beschränken wir uns auf den Austausch von Arbeitsinformationen, und wir gehen dabei sehr höflich und distanziert miteinander um. Hajo kam nicht in einem Ferrari, sondern mit seinem alten Geländewagen, und selbstverständlich gab es freie Parkplätze en masse (weil einige Teilnehmer wegen des miesen Wetters die Bahn genommen hatten). Die einzige heftige Auseinandersetzung fand dann auf dem Spielbrett statt - der Verleger hatte sein Ren Dhark-Strategiespiel "Grako-Alarm" mit dabei.
Zwölf Gänge zum Abendessen? Genauso undenkbar wie übermäßiger Alkoholgenuß und leichte Mädchen. (Ich hatte eh meine Frau mit.) Zwar gab es tatsächlich guten Whisky, spendiert von Hajo, aber nur eine einzige Flasche. Eine Flasche für neun Personen!
Zigarren brachte Hajo ebenfalls mit, allerdings nicht aus Havanna, sondern aus einem Zigarrenladen. Die Nichtraucher schickte Hansjoachim sofort ins Bett, die übrigen durften vorher noch aufrauchen.
In der Tat kam es hinterher zu einem kleinen Abschlußumtrunk (noch vor zehn Uhr) auf meinem Zimmer. Während nebenan meine Ehefrau schlief, leerten wir zu fünft im Bad einen Liter billigen Wein - aus dem Tetrapack. Weil sich ein Antialkoholiker mit eingeschlichen hatte, blieb zum Schluß sogar noch etwas Wein übrig (für die Putzfrau, anstelle von Trinkgeld). Eine Verschwörung fand nicht statt, vielmehr versicherten wir uns ständig unserer gegenseitigen Wertschätzung und lobten den HJB-Verlag in den höchsten Tönen.
Nach dem Frühstück (wir waren samt und sonders ausgeruht und arbeitsgeil) trafen wir im Konferenzraum zusammen, wo wir friedlich über die Fortführung der Serie diskutierten, den Bitwar-Zyklus. Wir redeten über waffenstarrende Kampfraumer, Gefechte im All, Verschwörungen, Action, Spionage, Zeitsprünge, und wir killten ein paar Serienfiguren - alles in freundlicher Eintracht. Werner und Manfred betonten, wie sehr sie unseren Lieblingsroboter Artus mögen, und alle stimmten ihnen aus vollem Herzen zu. Überhaupt lachten wir viel und gern.
Zur Mittagszeit besuchte uns Hansjoachims Familie - seine Frau, sein Sohn und seine am Koblenz-Event-Tag geborene Tochter. Eine herzige Idylle wie aus einem Heimatroman, und uns allen wurde ein wenig schwermütig zumute, hatten wir doch unsere eigenen Kinder schon einen ganzen Tag lang nicht gesehen. Glücklicherweise hatte der Verleger dafür Verständnis, wir durften bereits am Nachmittag heimfahren. Zum Abschied nahmen wir uns alle in den Arm, und Hansjoachim winkte uns noch lange nach. Ich hörte, daß er irgendwas murmelte; es klang wie ". nicht so bald wieder... die Haare vom Kopf gefressen..." oder so ähnlich - aber ich glaube, er meinte das nicht so, der Gute.
Tja, das war die wahre Geschichte der Ren Dhark-Konferenz in Neuwied. Stinklangweilig und daher für unsere Leser nur schwer zu verkraften. Sorry, aber so sind wir Autoren nun einmal. Unsere Abenteuer erleben wir nur in der Phantasie.
U.H.G.
 
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